
Auch wenn sich die Situation für LGBTQ+-Menschen in den letzten Jahren verbessert hat, bleibt Diskriminierung am Arbeitsplatz ein reales und messbares Problem. Laut der LGBTIQ-Umfrage III der EU-Agentur für Grundrechte (FRA) aus dem Jahr 2024 erlebt fast jede fünfte LGBTIQ+-Person in Europa Diskriminierung am Arbeitsplatz, bei trans- und intergeschlechtlichen Personen steigt diese Zahl auf etwa ein Drittel. Eine Randstad-Umfrage aus dem Jahr 2024 in 31 Ländern ergab, dass 41 % der LGBTQ+-Beschäftigten Diskriminierung oder Vorurteile am Arbeitsplatz erfahren haben und 29 % haben deswegen ihren Job gekündigt.
Ein wirklich inklusives Arbeitsumfeld zu schaffen ist nicht nur das Richtige, es ist auch der Weg, die besten Talente zu gewinnen und zu halten. Hier sind 7 konkrete Schritte, mit denen du anfangen kannst.
Statt auf unausgesprochene Erwartungen zu setzen, braucht es formale Richtlinien, die die Haltung eures Unternehmens zu LGBTQ+-Rechten klar definieren. Diese sollten alle Geschlechter und sexuellen Orientierungen umfassen, gleichermaßen für die Einstellung neuer Mitarbeitender gelten und eine klare Nulltoleranz gegenüber Diskriminierung festhalten, ob sie von Mitarbeitenden oder Kund:innen ausgeht.
Macht eure Richtlinien leicht auffindbar: in Stellenausschreibungen oder im Intranet. Und überprüft sie mindestens einmal im Jahr, um sicherzustellen, dass sie aktuell bleiben.
Eure LGBTQ+-Mitarbeitenden erleben die Unternehmenskultur täglich aus erster Hand und ihr Wissen ist unersetzlich. Schafft echte Kanäle, um von ihnen zu hören, und handelt auf Basis des Gehörten.
Führt anonyme Pulsbefragungen zu Inklusion und Zugehörigkeit durch. Veranstaltet regelmäßige Gesprächsrunden oder Fokusgruppen. Und bleibt offen dafür, euren Ansatz weiterzuentwickeln, was heute funktioniert, muss morgen vielleicht angepasst werden.
Es ist nicht die Aufgabe von LGBTQ+-Mitarbeitenden, ihre Kolleg:innen aufzuklären. Diese Verantwortung liegt beim Unternehmen. Investiert in strukturierte, regelmäßige Schulungen für alle.
Zieht in Betracht, mit Organisationen zusammenzuarbeiten, die LGBTQ+-Schulungen für Unternehmen anbieten. Macht Schulungen verpflichtend statt freiwillig, und behandelt dabei praktische Themen wie genderneutrale Sprache, den Umgang mit Pronomen und die Unterstützung von Kolleg:innen, die einen Transitionsprozess durchlaufen. In Berlin bietet etwa die Uhlala Group Inklusionsprogramme speziell für den DACH-Raum an.
Schweigen signalisiert Gleichgültigkeit. Als Unternehmen habt ihr eine Plattform, nutzt sie, um sichtbar hinter der LGBTQ+-Community zu stehen.
Bezieht LGBTQ+-Themen in eure Social-Media-Beiträge, Newsletter und Bloginhalte ein. Stellt sicher, dass eure öffentliche Kommunikation wirklich eure interne Kultur widerspiegelt. Laut der Randstad-Umfrage 2024 empfinden fast 4 von 10 LGBTQ+-Beschäftigten das Pride-Engagement ihres Arbeitgebers als reine Außendarstellung. Authentizität ist entscheidend.
Eine der sichtbarsten Möglichkeiten, Haltung zu zeigen, ist schlicht: dabei zu sein. Pride-Veranstaltungen und Christopher-Street-Day-Paraden (CSD) finden in ganz Deutschland während des Sommers statt, der Berliner CSD ist am 25. Juli 2026 und zieht regelmäßig über eine Million Menschen an.
Überlegt, ob ihr als Unternehmen sponsern oder mitmarschieren möchtet, LGBTQ+-Organisationen unterstützt oder Spendenaktionen startet und gebt eurem Team die Zeit und den Rückhalt, um teilzunehmen. Was ihr außerhalb des Büros tut, sagt genauso viel über eure Kultur aus wie das, was drinnen passiert.
Inklusive Kultur steckt im Detail. Die Sprache, die ihr täglich verwendet, und die Benefits, die ihr anbietet, senden ein klares Signal an Mitarbeitende und Bewerber:innen gleichermaßen.
Überprüft eure Elternzeit-Regelungen und gestaltet sie geschlechtsneutral, statt zwischen Mutter- und Vaterschaftsurlaub zu unterscheiden. Und falls es in eurem Unternehmen noch keine Leitlinien für den Umgang mit Transition gibt, ein kurzes Dokument, das erklärt, wie Führungskräfte und HR eine:n Kolleg:in während des Transitionsprozesses unterstützen können, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, eines zu erstellen.
Inklusion am Arbeitsplatz ist kein einmaliges Projekt, es ist ein fortlaufendes Engagement, das Richtlinien, Kultur, Sprache und Benefits gleichermaßen berührt. Aber jeder Schritt zählt. Wir würden gerne hören, was euer Unternehmen bereits tut oder plant, um ein inklusiveres Arbeitsumfeld zu schaffen.